Unsere Reise Mitte Februar führte uns mitten hinein in die Ernte 2025/2026 – dorthin, wo sich entscheidet, welche Kaffee im kommenden Jahr in der Kolping Röstwerkstatt in Brakel geröstet wird. In höheren Lagen wurde noch gepflückt, während die Ernte in niedrigeren Lagen bereits abgeschlossen war. Auf vielen Fincas zeigte sich, dass kontinuierliche Pflege und gezielte Aufforstun Wirkung zeigen. Die Pflanzen sind überwiegend in gutem Zustand. Gleichzeitig berichteten Produzenten von der Kältewelle Anfang Februar, die den Reifeprozess der Kirschen gebremst hat. Ein Teil der noch hängenden Kirschen wird nicht mehr vollständig ausreifen, mit direkten Folgen für Qualitäts- und Mengenkalkulationen.
Ein Schwerpunkt unserer Reise war die konkrete Exportvorbereitung gemeinsam mit Kleinproduzenten und Kooperativen. Im Dialog sprachen wir über die Zusammenstellung der Exportlots, Qualitätskontrollen, Dokumentationsanforderungen und die zeitliche Planung der Verschiffung der Ernte 2025/2026, denn gerade für kleinstrukturierte Betriebe mit durchschnittlichen Farmgrößen zwischen 0,5 und 3 Hektar bedeutet Exportfähigkeit einen erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Hier zeigt sich, wie entscheidend verlässliche Handelspartner sind, die frühzeitig kontrahieren und Planungssicherheit geben.
Begleitet wurden viele dieser Prozesse durch Agraringenieur Ramiro Aguilar, der die Kooperativen, mit denen wir vor Ort zusammenarbeiten, fachlich unterstützt und Qualitäts- wie Organisationsstrukturen weiterentwickelt. Seine Arbeit verbindet agronomisches Know-how mit unternehmerischer Perspektive, von der Farmbewirtschaftung über Aufbereitung bis hin zu Fragen der Zertifizierung. Im Austausch mit dem lateinamerikanischen Fairtrade-Netzwerk CLAC sprachen wir über die Bedeutung von Finanzierungsmöglichkeiten, den gezielten Einsatz von Prämien und die Umsetzung unternehmerischer Sorgfaltspflichten der Händler. Die politische Situation nach den Wahlen vom 30. November bildete bei unserer Reise einen spürbaren Hintergrund. Auch wenn größere Unruhen ausblieben, führte das lange Warten auf ein offizielles Ergebnis zu Zurückhaltung bei Investitionen und Finanzierungszusagen
Während unserer Reise traf der starke Preisrückgang am Weltmarkt viele Produzenten in einer Phase bereits getätigter Investitionen. Die Gleichzeitigkeit aus politischer Unsicherheit, klimatischen Schwankungen und volatilen Märkten verdeutlicht, wie fragil wirtschaftliche Stabilität sein kann.
Für uns als Röstwerkstatt bedeutet die Reise in den Ursprung unseres Kaffees mehr als Qualitätskontrolle. Jede verkostete Probe, jedes Gespräch über Exportdokumente und jede Abstimmung mit Produzenten fließt direkt in unsere Arbeit in Brakel ein. Tatico Kaffee steht damit nicht nur für ausgewählte Herkunft, sondern für Beziehungen, die vom Ursprung bis zur Röstung reichen. Was wir vor Ort an Sorgfalt, Engagement und Organisationskraft erleben, setzen wir hier fort, mit transparenten Preisen, langfristigen Partnerschaften und der Überzeugung, dass Qualität immer im Dialog entsteht.

