Wertvolle Impulse für beide Seiten  – Röstwerkstatt begrüßt Fair-Trade-Gäste auf ihrer Deutschlandtour

Eine Ehre für die Kolping-Röstwerkstatt in Brakel: Die Fair-Trade-Expertinnen zur „Fairen Woche 2026“, der größten Aktionswoche zum fairen Handel in Deutschland, machten auf ihrer Deutschlandtour nicht nur Station in Berlin, Bonn, Köln und Hamburg, sondern auch in Brakel.

Die beiden Gäste aus Honduras, Elsi Pereira und Sonia Vásquez, hatten auch die Kolping Röstwerkstatt in den Kalender ihrer Reise aufgenommen. Rund zwei Wochen lang hatten die Botschafterinnen für fairen Handel auf ihrer Rundreise bei Veranstaltungen und Gesprächen über die Auswirkungen des Klimawandels, volatile Kaffeepreise und die steigenden Herausforderungen eines zukunftsfähigen Kaffeeanbaus in Honduras berichtet. In der Röstwerkstatt in Brakel erlebten die beiden Kaffeeexpertinnen einen besonders intensiven Austausch und nahmen wertvolle Inspirationen mit nach Hause.

Das Team der Rösterei stellte den Rundreisegästen der Fairen Woche bei der Produktionsbesichtigung seine Arbeitsprozesse vor. Anschließend tauschten sich Ramona Linder, Geschäftsführerin der Kolping Röstwerkstatt Brakel, sowie Elsi Pereira und Sonia Vásquez über die Zukunft des Kaffeesektors in Honduras aus: über Kooperativenentwicklungen, Klimaanpassungsprogramme, veränderte rechtliche Rahmenbedingungen und den Einsatz von Fair-Trade-Prämienzahlungen. Den intensiven Austausch in kleiner Runde empfanden die Gäste als besonders wertvoll: Es blieb ausreichend Zeit, um Einblicke in die jeweiligen Arbeitsfelder zu gewinnen, um Zukunftsthemen zu diskutieren und sich gegenseitig über Herausforderungen und Entwicklungen zu informieren.

Mehr Vielfalt schafft neue Chancen

Großen Eindruck hat die direkte Handelsbeziehung gemacht, die mit der Marke Tatico zu Produzent*innen in Honduras gepflegt wird. „Das ist das Beste vom Besten“, zeigte sich Elsi Pereira beeindruckt von dem Handelsmodell, in dem die Kolping-Rösterei zugleich auch die Rolle des Händlers einnimmt. Die 32-Jährige ist als Kaffeeproduzentin selbst Mitglied der Kaffee-Kooperative APROCOMSA in Marcala in der Region La Paz in Honduras. Auch Sonia Vásquez ist als Länderbeauftragte des lateinamerikanischen Fairtrade-Produzentennetzwerks CLAC Expertin für Fragen rund um fairen Handel. Ins Auge gestochen ist den beiden Honduranerinnen die Vielfalt der Tatico-Produkte. Spannend fanden sie vor allem, dass die Röstwerkstatt ganz bewusst auch Kaffeenebenprodukte wie den Kaffeekirschentee vermarktet. Die damit verbundenen Möglichkeiten, die Produktpalette vielfältiger aufzustellen, nahmen sie als wertvolle Anregung mit nach Honduras. Wie wichtig es ist, sich auch beruflich breiter aufzustellen, das sei ihnen in Brakel auch anhand des Angebotes des Kolping-Berufsbildungswerkes deutlich geworden. Eine Ausbildung von jungen Menschen in diversen Berufsfeldern könne auch dazu beitragen, neue Einkommensquellen für die Produzent*innenfamilien zu erschließen.

Der Idealfall sei jedoch, dass die junge Generation eine Zukunft im Kaffeesektor sehe und diese selbst gestalte. „Es wird klimabedingt immer weniger Kaffee geben, es muss daher besseren Kaffee geben und bewusstere Käufer“, wünscht sich Sonia Vásquez. Auch Elsi Pereira hat klare Vorstellungen, was es braucht, damit Kaffee eine faire Zukunft hat: „Die Zahlungen müssen wirklich bei den Produzenten ankommen.“ Solange der Kaffeepreis alleinig durch die Börse in New York bestimmt werde, würden die Produzent*innen hohe finanzielle Risiken tragen und in der Realität am Ende meistens selbst draufzahlen. Der konventionelle Handel decke zudem oft die Investitionskosten nicht ab, die ganzjährig auf den Fincas anfallen. Daher müsse auch die im Fair-Trade-System vorgesehene Vorfinanzierung bei internationalen Verträgen zum Standard werden. Umso mehr überzeugte die Gäste das dreistufige Finanzierungsmodell der Röstwerkstatt in Zusammenarbeit mit den Kooperativen in Honduras. 

Verbindung weiter mit Leben füllen

„Der Besuch hat für die Kolping Röstwerkstatt eine besondere Bedeutung, weil er unsere tägliche Arbeit mit den Menschen am Beginn der Lieferkette unmittelbar verbindet“, sagte Ramona Linder. „Als Rösterei, die auf langfristige Handelsbeziehungen und Direkthandel setzt, wollen wir nicht nur Kaffee einkaufen und rösten, sondern verstehen, unter welchen Bedingungen er produziert wird und welche Herausforderungen die Kooperativen und Produzent*innen vor Ort bewältigen müssen. Der persönliche Austausch gibt uns wichtige Impulse für unsere eigene Arbeit und zeigt einmal mehr, warum es wichtig ist, unseren Kund*innen die Geschichten und Perspektiven hinter dem Kaffee näherzubringen“, so die Geschäftsführerin der Kolping Röstwerkstatt weiter. Der Besuch bestärke darin, die Verbindung zwischen Honduras und Brakel weiter mit Leben zu füllen und gemeinsam an einer zukunftsfähigen Perspektive für nachhaltigen, kleinbäuerlichen Kaffeeanbau zu arbeiten.

„Es ist toll, wie die Kaffeebohne alle entlang der Lieferkette verbindet,“, betonte Elsi Pereira. „In einer Tasse Kaffee steckt so viel, weil viele Menschen davon profitieren können“, führte die Kaffeeproduzentin aus. In ihrer Kaffee-Kooperative APROCOMSA haben sich 1.320 Kaffeeproduzent*innen zusammengeschlossen. Für sie ist der morgentliche Kaffee daher mehr als ein Genussmittel: Er steht sinnbildlich für ihre Existenzgrundlage. „Fair Trade macht für uns einen Unterschied. Für uns bedeutet es alles, wenn Menschen die Herkunft unseres Produktes kennen und wertschätzen.“

Text und Bild: Jana Sudhoff