„Lacht, tanzt, entdeckt, lernt, macht Fehler… und lebt jeden Moment“

Süd Nord

Süd-Nord-Freiwillige in Brakel ziehen Bilanz eines erlebnisreichen Jahres

„Einen Freiwilligendienst zu machen bedeutet, ein mutiger Mensch zu sein, denn man begibt sich ins Ungewisse.“ Mutig waren Brayan Rodriguez und  Rashel Sierra, zwei junge Menschen aus Honduras, die von September 2024 bis Ende August dieses Jahres einen Süd-Nord-Freiwilligendienst in der Kolping Röstwerkstatt und im Kolping Berufsbildungswerk in Brakel absolviert haben. Mit vielen Erfahrungen im Gepäck reisen sie nun zurück nach Hause. Zuvor lassen sie uns an ihrer Bilanz dieses besonderen Jahres teilhaben.

Klopfen wir zunächst einmal die gängigen Klischees ab: In Deutschland ist es kalt, die Deutschen sind pünktlich und ordentlich. Stimmt, sagen die beiden. „Ich habe noch nie in meinem Leben eine so klirrende Kälte gespürt“, stellt Brayan Rodriguez fest. Pünktlichkeit und Ordnung sind sie außerdem an ihren Arbeitsstellen begegnet. „Das prägt die deutsche Kultur“, sagen sie.

Für ihre Einsatzstellen finden die beiden Freiwilligen in ihrer Bilanz viele positive Worte. Für die Mitarbeitenden im Kolping-Berufsbildungswerk Brakel sei ihre Arbeit „eher Berufung als Beruf“, betont Rashel Sierra, die, wie Brayan Rodriguez, zudem in der Röstwerkstatt gearbeitet hat. „Beide Arbeitsorte haben mir geholfen, Ängste loszulassen und den Wert von Geduld zu erkennen. Ich hatte das Glück, Teil engagierter, empathischer und solidarischer Teams zu sein.“ Brayan hat zudem das Bestreben um Nachhaltigkeit beeindruckt: „Ich liebe es zu sehen, wie systematisch dieses Thema im Arbeitsalltag der Röstwerkstatt berücksichtigt wird.“

Über ihre Arbeit hinaus waren die Süd-Nord-Freiwilligen in ihrer Freizeit viel unterwegs. „In meiner Freizeit konnte ich 26 Städte entdecken und sieben Länder bereisen: Luxemburg, Italien, Schweiz, Österreich, Polen, Belgien und die Niederlande. Ich habe an vielen Aktivitäten teilgenommen, was mir half, die Struktur von Kolping besser zu verstehen“, berichtet Rashel Sierra. In Italien, Holland, der Schweiz, Österreich und Polen war auch Brayan Rodriguez während seines Freiwilligendienstes. Dort ist er unter anderem mit den Spuren der deutschen Geschichte in Berührung gekommen und ist beeindruckt, wie offen sich die meisten Deutschen mit den Ereignissen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs auseinandersetzen. Und Rashel Sierra ergänzt: „In Amsterdam lernte ich mehr über die Geschichte Anne Franks, in Auschwitz in Polen besichtigte ich die Konzentrationslager. Diese Erfahrungen waren bewegend und schwer, aber ich schätze und respektiere die Art und Weise, wie Deutschland seiner Geschichte mit Verantwortung und Bewusstsein begegnet.“

Was nehmen die beiden jungen Menschen mit nach Hause und was geben sie den nachfolgenden Freiwilligen mit? Mehr Selbstbewusstsein, neue Sprachkenntnisse, eine erweiterte Perspektive auf globale Zusammenhänge, sagen sie. Die nächsten Süd-Nord-Freiwilligen sollten den Mut haben, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Rashel Sierra ermutigt: „Offenheit ist entscheidend. Hier beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Vor allem aber: Genießt die Erfahrung! Habt keine Angst vor dem Reisen, neuen Begegnungen oder ungewohnten Hobbys. Lacht, tanzt, entdeckt, lernt, macht Fehler… und lebt jeden Moment.“

Text: Mario Polzer